Hat das Internet uns die Fähigkeit genommen auf andere Menschen zuzugehen?
Frage:
In der heutigen Zeit, wo das Internet einem so vieles ermöglicht und erleichtert und Kontakte, Unterhaltungen, auch Beziehungen viel unverbindlicher geführt werden können, scheinen die, sagen wir mal "realen" Dinge viele Abstriche machen zu müssen. Im speziellen geht es mir da grad besonders um das Daten... Ich habe das Gefühl, kein Junge traut sich mehr Face to Face ein Mädchen nach einem Date zu fragen...wozu auch? Man(n) könnte ja sein Gesicht dabei verlieren, und wenn schon, dann wäre es über Internet doch wesentlich einfacher jemanden "unverbindlich" darauf anzusprechen - denn zum Affen machen will sich ja keiner, und wenn sie "Nein" sagt, ist es einfacher damit umzugehen - er kann ja einfach off gehen, sie löschen, muss nie wieder ein Wort mit ihr wechseln.
Ehrlich gesagt geht mir diese Unverbindlichkeit allmählich gehörig auf den Zeiger - ich wünschte es gäbe noch Kerle, die ein bisschen A.rsch in der Hose beweisen, auf ein Mädchen zugehen und sie direkt fragen, ob sie nicht mal Lust hätte, mit ihm einen Kaffe zu trinken. Und das alles Angesicht zu Angesicht.
Sicherlich wird es auch an meiner Generation liegen - ich bin 24, wir sind mit dem Internet praktisch aufgewachsen; ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass 60-Jährige dasselbe Theater durchmachen wie meine oder eine jüngere Generation. Und obwohl ich bei vielen Typen die ich kenne dass Gefühl hab, die haben noch Werte, sind ganz gentleman-like, wohlerzogen und bemühen sich auch noch ernsthaft um ein Mädchen: Nach einem Date fragen gibt's da trotzdem nicht. Das wird dann irgendwie über zig Ecken oder eben durch eine lapidare Aussage bei Facebook eingefädelt. Da frage ich mich doch, warum? Wird heutzutage generell vielleicht weniger Wert auf sowas gelegt? Bin ich etwa eine der wenigen die denkt ein "echter" Mann fragt eine Frau direkt nach einer Verabredung? Irgendwie hab ich das Gefühl extrem altmodisch und romantisch zu sein, dabei sollte das doch eher Normalität sein oder etwa nicht? Oder kenn ich einfach nur die falschen Kerle? Ich mein, selbst über Internet trauen sich manche Kerle nicht mal den ersten Schritt zu machen. Was ist da los? Wie konnte es passieren, dass sich keiner mehr traut auf jemand anderes zuzugehen und sich ein bisschen Blöße zu geben?
Liebe/r KyunKyun,
Deine Frage hätte eigentlich gelöscht werden sollen. Aufgrund der vielen tollen Antworten wäre es aber aus unserer Sicht sehr schade gewesen, zu diesem Zeitpunkt noch eine nachträgliche Löschung durchzuführen. Aus diesem Grund haben wir die Frage nun nur geschlossen. Bitte beachte dies in Zukunft und stelle Fragen dieser Art in unserem Forum.
Herzliche Grüsse
Jenny vom gutefrage.net-Support
Also die Frage die du da stellst finde ich gut und habe sie mir selber schon öfters gestellt...
Also ich denke, das Internet lässt uns verlernen miteinander von Gesicht zu Gesicht zu kommunizieren, denn im Chat bringt man keinerlei Emotionen rüber, kann also „abgeschottet" von jeglicher Interpretation des Gegenübers allen sch*** labern und wenn der/die andere etwas falsch versteht, alles nochmal revidieren. Ich persönlich habe kein Facebook (bin fast 17 m) und ich bin sehr froh darüber. Ich denke es gibt nichts Besseres als mit einer Person direkt zu reden, ihr in die Augen zu schauen und die Emotionen zu sehen... Das Internet hat für viele den Vorteil, dass sie einem nicht mehr in die Augen schauen müssen bzw. es schon gar nicht mehr können... Und das ist meiner Meinung auch das Problem, wir (Männer) haben Angst vor "ihr" zu sitzen und einfach mal fett zu versagen, es geht gar nicht wirklich darum, das wir uns nicht trauen nach einem Date zu fragen oder Angst vor einer Abfuhr haben, sondern, dass wir Angst haben bei dem Date zu versagen und dann unser Gesicht zu verlieren. Insbesondere in der Schulzeit ist so etwas schwer, denn wenn man "versagt" muss man die Person jeden Tag wieder sehen und das kann echt heftig sein.
Ein weiterer Grund wird auch sein, dass man nicht mehr über Gefühle reden kann... Insbesondere über das Thema Liebe. Versuch mal mit einer Freundin/Freund über Liebe und Gefühle zu reden (im echten Leben), es endet dann meist darin, das er versuch das Thema zu ändern oder das es so endet: "Ja ich weiß wir reden über "das"..." Also einfach, dass ManN nicht mal mehr das Wort Liebe aussprechen kann, da er denkt er macht sich Lächerlich. Ich habe gestern mit einer Freundin gechattet und naja wir haben dann wirklich über das Thema Liebe geredet / diskutiert und naja jetzt sehe ich es ganz anders. Und genau hier haben wir wieder den Einfluss des Internets, denn ich hätte mich niemals im echten Leben das Thema Liebe und Gefühle anzusprechen. Ich denke einfach aus dem Grunde weil man in der heutigen Zeit einfach keine Ruhe mehr hat. Die Welt ändert sich heute so schnell und ist so dynamisch, das für so was wie Romantik im Alltag gar keine Zeit mehr ist. Meistens ist es auch so, dass man sich einfach auch nicht traut nach einem Date zu fragen, da dann immer noch x andere Freunde da sind und man einfach nicht die "Ruhe / Zweisamkeit" mit der Person hat die man fragen will. Wir leben heutzutage dank Facebook und co. wie in einem gläsernen Kasten, fragst du "xyz" nach einem Date, wenn noch andere Freunde da sind, dann munkeln die doch am Nachmittag in Facebook im Chat darüber ob da was läuft. Irgendwann reden dann alle darüber und es endet so, dass du dann da sitzt und alle dich angucken. Es entsteht dadurch so ein großer "Druck", den man einfach vermeiden will und deswegen gar nicht erst fragt, weil ManN dann eine viel zu große Angst hat zu versagen.
Ich finde man sollte solche Dinge wie Facebook gar nicht mit machen, denn das macht das Leben kein bisschen leichter sondern nur noch komplizierter!
Das ist meine Sicht der Dinge, mir ist egal was andere über mich jetzt denken, aber ich musste es einfach mal sagen.
MfG FlatronEZ
Alle Achtung ! Eine sehr umfangreiche und präzise Antwort ; ) Und das von einem fas 17 Jährigen.
Danke, wie gesagt, habe mit einer Freundin gestern bis in die Nacht darüber diskutiert... War wirklich sehr interessant. Und genau das fehlt meiner Generation, dieses "einfach mal reden"...
Kenn ich nur zu gut...hab mit einem Kommilitonen vor einer Weile ein sehr gutes und langes Gespräch geführt (über Internet)...und was war, das nächste Mal, als wir uns real sahen, hat er mich nicht mal richtig begrüßt. Da fehlen einem fast die Worte. Und mit einem Kumpel real über Liebe zu reden, ist für mich auch fast ein unvorstellbares Szenario...nicht, dass ICH es nicht wollte oder könnte, aber die Jungs geben sich da wirklich sehr unnahbar und kalt. Über Internet hingegen scheint das wieder nicht so ein Problem...da ist man dann jedes Mal erstaunt, was sich Jungs eigentlich (auch) so für Gedanken machen.
Oh ja, das stimmt wir Kerle denken wirklich viel (ich zumindest)... Als ich sie dann heute morgen wieder in der Schule gesehen habe und sie begrüßt habe, dachte ich auch: "ok war das jetzt gestern real oder nicht, warst du das wirklich oder hast du das nur geträumt, ...?" und naja dann haben wir wieder weitergelabert. Das kann die Ansicht einer Person wirklich sehr beeinflussen. Ich denke jedoch wenn man mit jedem, jederzeit und überall über Gefühle reden könnte, hätte es nicht mehr diese "magische", "surreale" Wirkung.
Und das wäre wirklich schade.
MfG
FlatronEZ
Du hast das ganz gut Erfasst,Die Gesellschaft wird flacher.Alles Neutral unverbindlich.Die Zeit hat sich schon verändert.
Leider... aber daran ist nicht allein das Internet schuld.
Tja, ich bin fast eine Generation älter als Du (und die meisten hier) und kenne die Welt noch aus der reinen (aber nicht besseren) Analogperspektive. Trotzdem glaube ich nicht, dass das Internet die zwischenmenschlichen Fähigkeiten negativ beeinflusst hat. Kontakt- und Anbahnungsschwierigkeiten gab es immer schon. Die Form hat sich nur etwas verändert / verschoben. Es ist dies auch eine Frage des Alters, der persönlichen Reife und insbesondere des individuellen Charakters. Gerade auch für die Schüchternen bietet das Netz vielfältige Chancen zu partizipieren. Klar muss man es irgendwann schaffen, die virtuelle Welt in die reale zu überführen.
Ich habe meinen heutigen Ehemann vor 11 Jahren über ein Internetportal kennen gelernt. Ja, kaum zu glauben, aber damals war das noch sehr exotisch, vor allem dass Frauen einen privaten Internetzugang hatten. Wären wir uns im wirklichen Leben auf einer Party begegnet, wären wir niemals ein Paar geworden, weil wir in keinster Weise unserem jeweiligen (unbewussten) Beuteschema entsprochen haben... Das Internet hat uns die Chance gegeben, auf einer ganz anderen, zunächst unverfänglichen Ebene zu kommunizieren, den Kontakt unverbindlich zu halten, uns allmählich kennen und lieben zu lernen. Heute führen wir die beste Ehe die ich mir vorstellen kann. Internet sei Dank!
Ach ja, einen meiner besten Freunde habe ich ebenfalls im Netz kennen gelernt - er lebt in England...
Bisschen bloed ist das schon, aber vielleicht muss man es auch einfach in Kauf nehmen. Denn wir profitieren doch so sehr vom Internet:) Noch nie konnte man so unverbindlich und selbstverständlich Unterhaltungen mit fast Unbekannten führen (damit meine ich nicht komische Kontakte die man erst im Internen kennenlernt, sondern einfach Menschen aus seinem Umfeld, die man sonst vielleicht nie richtig kennengelernt hätte). Und ich persönlich bin auch ein Fan des "Stalkens", klar man erfährt bei manchen Menschen gar nichts über sie auf der fb Seite, und es kratzt auch bloß an der Oberfläche was man erfährt, aber trotzdem gibt es Leute die ich sofort durch ihre Einträge sympathisch finde oder eben umgekehrt - so kann man im Voraus schon mal "aussortieren":)
Versteh mich nicht falsch, natürlich bringt das Internet sehr gute Verbesserungen mit sich und sicherlich ist es toll sich mit einem Fremden mal über dies und jenes auszutauschen, oder gar einen Menschen, den man zwar immer in seinem Umfeld hatte aber nie viel mit zu tun hatte, über Internet kennenzulernen und festzustellen: Wow, ich hätte niemals gedacht das er so ist!
Aber all das zwingt ja nicht wirklich die Leute dazu, nicht mehr real auf andere Menschen zuzugehen, es ist mehr die eigene Entscheidung es "lieber" über Internet zu machen. Und dass sich viele dafür bewusst entscheiden, ist eben das Bedauernswerte an der Sache. Ich mein, ich bin natürlich auch nicht komplett offensiv und lerne viele Leute erst über Internet kennen, schaue erstmal ob denn da irgendeine Verbindung zwischen mir und jemand anderem sein könnte... Aber dennoch gehe ich dann auch real auf ihn zu. Bei vielen kommt es ja schon so weit: Sie verstehen sich über Internet blendend, chatten Stunde um Stunde...und wenn sie sich dann in der Schule oder sonstwas sehen, ignorieren sie sich. Und das ist doch wirklich mehr als bizarr und bedenklich!
das stimmt, hatte ich sogar selbst mal erlebt (gechattet und dann in der Schule mehr oder weniger ignoriert) das ist wirklich awkward!! Anderseits kenne ich aber trotzdem noch einige Maenner, die privat nach Dates fragen, also gaanz so schlimm ist die Welt 2.0 noch nicht geworden.. wer weiss wies in 50 Jahren aussieht :)
Ahh herrlich, wie du die Welt als "Welt 2.0" bezeichnest!
Aber das mit diesem nach Dates fragen, ist so ne Sache:
Wie ich oben schon in meinem langen Text beschrieben habe, hätten wir Jungs eigentlich kein Problem damit euch Mädchen nach einem Date zu fragen... Das Problem ist wir haben Angst bei dem Date dann zu versagen und deswegen fragen wir "lieber gar nicht erst".
...
Word!
Ein sehr schöner Beitrag. Ich finde außerdem das du recht hast. Das Internet ist ein breites Medium das viele Menschen bedient. Ursprünglich als eine Art Informationsplattform ist es im Laufe der Zeit immer mehr zur Kommunikationsplattform mit vielen weiteren Features geworden. Es ist einfach und bequem, Einkäufe werden online getätigt - laufen kann der Postbote. Briefe sind am Aussterben, wenn es nicht gerade um amtliche Dokumente geht - und auch hier is E-Government auf dem Vormarsch. Und eben das liebe Kontakte knüpfen und pflegen wird durch Social Communities erheblich erleichtert.
Das Internet raubt uns nicht das persönliche Gespräch, es erleichtert uns zueinander zu finden und miteinander in Kontakt zu treten. Eine Email ist schneller geschrieben und Skype schneller online, als mit Bus und Bahn zum nächsten Cafe zu fahren. Das klingt positiv und ist es sogesehen auch. Es kommt eben immer darauf an wie der Einzelne dieses Medium nutzt. Traurig finde ich persönlich die Menschen die sich einbilden tausende von Freunden in Facebook und Co. zu besitzen, aber nicht einen dieser Menschen persönlich kennt. Also auch nicht wirklich "echte" Freunde besitzt. Das ist der Punkt wo für mich definitiv die Grenze überschritten ist.
Allerdings sehe ich auch hier Generationsunterschiede. Während die aktuelle Jugend vorwiegend mit Smartphone und Tablet unterwegs ist, sitzt eine Generation früher auch noch mal in der Kneipe oder trifft sich in der Stadt. Wiederrum eine Generation früher ist noch Kontaktfreudiger und so weiter.
Ich muss auch gestehen das ich eher mal eine Rundmail an die Kollegen schicke und nach ner Runde Billiard frage, als das ich jeden einzelnen abtelefoniere oder durch die Büros wandere. Bequemlichkeit!
Fazit: Das Internet ist eine tolle Sache, es erleichtert und vieles und bietet und unendliche Möglichkeiten. Durchaus kann man sagen das es sich in gewissem Maße negativ auf das persönliche und private Miteinander auswirkt. Ohne geht es nicht mehr so viel steht fest. Das Internet ist ja nicht der "Bösewicht", wir sind es die am Ende die Entscheidung treffen ob ich das Mädel nun direkt anspreche oder ihr eine Mail schreibe. Es erlaubt uns mehr Anonymität, die von vielen dankbar angenommen wird. An der Tastatur ist man eben schneller der tolle Hecht als real. Der Schlag wird dafür umso härter sein.
Ich habe meine Frau übrigens noch ganz persönlich auf einem Fest kennengelernt habe sie dort angesprochen und es hat trotzdem geklappt ;-)
"face zu face" um ein "Date" früher hat man persönlich nach einem Treffen gefragt -.-
Heut zu Tage trifft man sich halt auch mit Leuten die weiter weg wohnen, da kann man nicht mal eben vorbei gehen und fragen "hast du Lust dich mit mir zu treffen"
Das ist mir schon bewusst, ich rede hier auch mehr von Leuten die im näheren Umfeld leben, in derselben Klasse sind, im Freundeskreis, man kennt sich von Arbeit...da gäbe es genug Möglichkeiten jemanden mal persönlich zu fragen - stattdessen wird auf's Internet ausgewichen. Und das finde ich dann schon sehr traurig.
Eigentlich habe ich nichts gegen solche "Entwicklungen",aber das mit den Dates stimmt schon...sehr schade!
Nein glaube ich nicht da ich das Internet eher als Erweiterung zu sehen wodurch man sich treffen kann und Leute kennenlernen kann :)
Der direkte Kontakt bleibt aus,es wird nur noch Gegoogelt.Armes Menschsein!!!
Ohne Internet währe ich sehr einsam, ich freue mich eigentlich immer dass jemand on ist. Ok das hat jetzt nichts mit Dates zu tun, aber es wäre für mich echt leichter wenn mehrere Geschäfte e-mail adressen haben. Mein lieblings Frisör hat immer noch keine e-mail adresse ins internet gestellt, dann geh ich halt zu dm. Manchen von uns erleichtert es das Leben echt, ok nicht jeder hat mein Problem angst vorm Telefonieren oder angst einen Termin auszumachen. Ich habe auch angst Freunde zu treffen weil ich nei weiß was ich sagen soll. Und ich versuche es ja, aber es fuktionert nicht. Und kommt mir nicht mit Terapeuten die wissen doch nicht mal wer ich bin ohne in ihren Unterlagen nachzublättern und dann irgendwas von Magersucht aufzugreifen ohne aber meine eigentlichen Probleme zu beachten.
Ausrede! ;-)
Überwindungsprobleme beim einander Zugehen gab es schon immer!
Vor 10, 20, 50, 250 oder 1000 Jahren! :-)
mfg
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